NAQ - Nonfrequently Asked Questions

Hier finden sich meine NAQ's (die unhäufig – oder wenigoft gefragten Fragen).

Im Gegensatz zu den FAQ's, also den häufig gefragten Fragen (die sich gerne häufchenweise auf Internetseiten einnisten) finde ich die NAQ's weitaus attraktiver. Gerdezu sexy.

Die NAQ's erlauben es mir nun hemmungslos Fragen zu beantworten, die ich gerne einmal gefragt worden wäre. Dabei komponiere ich zuerst die Antworten und hernach die passenden, spärlich gefragten Fragen dazu.

Das ist übrigens eine bewährte kommunikative Manipulationsmethode. Dahinter verbirgt sich ein politisches Handlungskonzept, mit dem sich ganze Völker regieren lassen. Die meisten Menschen bemerken es nicht einmal.


 

1. Welche Funktion hat das Auto?

2. Was ist ein Experte?

3. Wie macht man eine Enttäuschung?

4. Wie beantwortet man die Frage nach der eigenen Blödheit?

5. Wozu benötigt man Zertifikate?

6. Weshalb ist es so, dass Menschen, die Bildung bilden wollen, indem sie Reformen formen, sich dabei so zielstrebig die falschen Fragen fragen?

7. Für wen?

8. Was ist Machtmissbrauch?

9. Wo ist das unangenehmste Gewesensein?

10. Wo leben sie denn hin?

 


 

1. Welche Funktion hat das Auto?

Die primäre Funktion eines Autos ist keinesfalls die, eines Fortbewegungsmittels.

Dem Menschen ist das Auto vornehmlich Traumobjekt, Tötungsmittel, Ausdruck sozialer Stellung, park- und staubares Wirtschafts- und Luxusgut, emotionale Eruptionszelle, Notunterkunft für den außerehelichen Begattungsakt, Mittel zur Vernichtung unserer Atmosphäre und eine gesellschaftlich anerkannte Verlängerung des männlichen Sexualorgans.

 

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2. Was ist ein Experte?

Wenn eine Gruppe Menschen sich ihrer kollektiven Ahnungslosigkeit bewusst wird, dann bestimmen die Mitglieder der Gruppe – meist einstimmig – denjenigen aus ihren Reihen, der die konkreteste Vorstellung vom gemeinschaftlichen Nichtwissen hat. Also ein wenig weniger ahnungslos ist, als all die anderen. Mit Ehrfurcht vor diesem Wissensmehr wird dieser dann zum Experten gekürt.

Daraus folgt:

Ein Experte ist – in einer Gruppe Menschen – der am wenigsten Ahnungslose.

Seit ich das weiß, traue ich keinem Experten mehr. Schon gar nicht, wenn andere ihn als solchen bezeichnen.

 

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3. Wie macht man eine Enttäuschung?

Eine Enttäuschung wird immer aus einer Erwartung gemacht.

Erwartungen selbst sind inflationär verfügbar und sie sind einfach und unaufwändig zu produzieren. Der Mensch erlernt es schon sehr früh.

Aus Erwartungen kann man natürlich noch viel mehr machen.
Man kann damit Menschen beschleunigen – oder sie verunsichern.
Unzufriedenheit wird aus Erwartungen gemacht.
Versager werden aus Erwartungen gemacht ...

... aber das war ja nicht die Frage.
Für gewöhnlich nutzt man Erwartungen zum Enttäuschung-machen.

 

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4. Wie beantwortet man die Frage nach der eigenen Blödheit?

Dumme Fragen gibt es keine – das ist bekannt. Aber es gibt blöde Fragen. Mindestens eine gibt es.
Es ist die Frage nach der eigenen Blödheit:

'Denkst du denn, ich bin blöd?'

Der Frager, der diese Frage stellt, erfragt also die Existenz seiner eigenen Blödheit. Gleichzeitig hofft er darauf, sie möge nicht sein. Die erfragte Eigen-Blödheit. Deshalb die suggestive Form der Fragestellung.

Aber wie dieser Erwartung entsprechen? Wie soll man antworten, wenn sich der Gegenüber gerade allein durch die Fragestellung schon als blöd erwiesen hat? Falsche Sozialpietät scheint da nicht angebracht. Deshalb kann diese Blödfrage nach der eigenen Blödheit mit einer Frageantwort retourniert werden. Auch wenn der Frager das blöd findet:

'Denkst du denn, ich denke das nicht?'

 

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5. Wozu benötigt man Zertifikate?

Mit einem Zertifikat vermittelt man einem Zertifikatsbegehrer (das ist ein Mensch, dem das Vertrauen in andere Menschen nachhaltig aberzogen wurde) das Gefühl, eine bestimmte Wahrscheinlichkeit wäre derart wahrscheinlich, dass es sich für ihn anfühlt, als gäbe es für diese Wahrscheinlichkeit eine Garantie.

Zertifikate sind nicht dafür gemacht, etwas zu verbessern. Mit einem Zertifikat ent-menscht und ver-papiert man Vertrauen. Weil man nicht mehr einem Menschen vertrauen muss, sondern einem Papier. Mit Papier kann man dann etwas belegen. Vorwiegend den Sachverhalt selbst alles richtig gemacht zu haben. Damit versichert man sich dann seinen Hintern. Beweist Menschen, die ebenso wenig Vertrauen in mich haben, wie ich in die, von denen ich Zertifikate sehen will, dass allem vertraut werden konnte. Zertifikate lügen ja nicht – sie zertifizieren. Damit sind sie Ersatz für Wissen, Vertrauen und Können derer, die sie so sehr begehren.

 

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6. Weshalb ist es so, dass Menschen, die Bildung bilden wollen, indem sie Reformen formen, sich dabei so zielstrebig die falschen Fragen fragen?

Weil das Politiker sind und keine Pädagogen.

Zugegeben, die Antwort ist nicht gerade kreativ – aber erschöpfend.

 

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7. Für wen?

Das ist nicht nur eine überaus kurze, sondern vielleicht auch die meist beantwortete wenig gefragte Frage.
Die Antworten taugen selten. Weil sie für gewöhnlich unaufgefordert gegeben werden und selbstbetrügerischer Natur sind.

Der Mensch tut, was er tut, ausschließlich für sich. Auch und gerade dann, wenn er glaubhaft das Gegenteil versichert. Einzig darin, wem das Tun nutzt oder schadet, liegt der Unterschied – bei absichtsreich handelnden intelligenten Lebewesen.

Deshalb kann diese Frage in Kürze und frei jeglicher relativierender "Wenn und Abers" beantwortet werden.

Die Antwort lautet: "Für mich."

 

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8. Was ist Machtmissbrauch?

Nichts ist dem Missbrauch so ohnmächtig ausgeliefert wie die Macht.
Da der Machtinhaber der ist, der über die Macht verfügt, ist der Täter (also der Missbraucher) allseits bekannt.
Der Missbrauch der Macht dient vorwiegend ihrem Erhalt und dem Ziel, ihren Missbrauch zu vertuschen.

Verhindert werden kann der Machtmissbrauch präventiv theoretisch dadurch, dass sich der Machtmissbraucher für sein schändliches Tun (wenn er sich dabei ertappen lässt) ordentlich schämen muss. Also eigentlich eher nicht. Obwohl die Lehre von Ethik und Moral das vorsieht, passiert es scheinbar selten, dass sich Macht mit Anstand, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit paart.

Und um die Frage zu beantworten:

Machtmissbrauch ist die natürlichste und selbstverständlichste Missbrauchsform. Weil der Mensch nunmal moralisch echt nicht der Knaller – und die Macht ihrem Missbraucher schutzlos ausgeliefert ist.

 

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9. Wo ist das unangenehmste Gewesensein?

Tja, bei solcher Fragestellung zwickt es den zartbesaiteten Germanisten an empfindlicher Stelle – ich weiß.

Gemeint ist der Ort, an dem gewesen zu sein die unangenehmsten Gedanken und Gefühle hervorruft. Eine Frage, die ein jeder nur für sich allein zu beantworten weiß.

Für den klammheimlich-restschamfähigen extrovertiert-fehlerfreien Elitemenschen, ist es vielleicht das Wissen darüber, gleichzeitig an zwei Orten gewesen zu sein:

Auf der Palme – und im Irrtum.

 

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10. Wo leben sie denn hin?

Da ist nix zu machen. Selbst für mich nicht. Und ich bin mitunter atemberaubend verwegen darin, unvollständige und tendenziell falsche Antworten mit Behauptungscharakter in den Denkraum zu stellen.

Aber alternativ könnte es ja eine kleine Teilfrage tun.

Wie leben sie denn so hin? ... also so-hin da-hin wo-hin wir jetzt noch nicht wissen, wo das ist.

Gibt natürlich wieder nix. Das wäre auch dreist. Der potentielle Antwort-Leser ist statistisch gesehen ein Erfolgs-, Nutz- und Konsummensch mitteleuropäischer Leitkulturprägung, dessen Hamsterradelstressmentalität (ebenso statistisch) schon nach wenigen Jahren zeitgeistkonformen Menschseins zur Besinnungsresitenz führt.

Die Besinnungsfragen dabei wären gewesen ...

... wieviel Leben investieren sie für ihren Erfolg?
... was und wie konsumieren sie – zur Belohnung?
... wem sind sie dabei von Nutzen?
... wieviel Erfolg müssen sie haben, um das konsumieren zu können, was anderen nutzt und ihnen das Gefühl vermittelt einen adäquaten Gegenwert für das gegebene Erfolgsleben erhalten zu haben?
... wieviel Restleben bleibt ihnen dabei noch?
... gibt es noch Menschen in ihrem Leben, die genügend Lebenszeit über haben und mit denen sie ihr Restleben lebenswert verleben können?

 

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