Ich mag sie, die Gutlinge. Die sind echt zuverlässig – und so unglaublich treu. Finden sie doch immer wieder zurück, zu dem, der sie verteilt und somit in die Welt entlassen hat. Nur selten sind sie geworden, leider.

Gutlinge sind unsichtbar und flüchtig. Niemand ist in der Lage sie für lange Zeit festzuhalten oder gar zu horten. Es ist ihre Bestimmung ein Vagabundendasein zu führen.

Wer einmal begriffen hat, wie sie funktionieren, wie einfach es ist, Gutlinge zu verteilen und wie mächtig sie sind, wenn man ihnen erst einmal die Freiheit geschenkt hat, der hat seine wahre Freude dran – ein Leben lang.
Es ist so leicht, dass es selbst Kleinkinder schaffen. Aus Mangel an Worten verteilt man als Menschensetzling die ersten Gutlinge intuitiv mit einem Lächeln. Erst später prägen sich ausgefeilte Techniken um seine Gutlinge an den Mensch zu bringen. Meist mit einer Berührung verbunden. Mit einer Berührung durch Worte, Gesten und Taten – und eben mit einem Gutling versehen.

Das mit dem Lächeln klappt auch noch, wenn man erwachsen ist. Wenn ich morgens am Kiosk eine Zeitung hole und nebst Kleingeld noch einen Gutling in Form eines fröhlichen Grußes oder eines Lächelns über die Theke schiebe, dann kann ich es sogar sehen, wie der Gutling einschlägt. Wie er wirkt. Wie er einem anderen Menschen ein Gutgefühl macht.

Ich wusste schon immer, dass sie da sind. Schon als Knirps hatte ich eine ganz präzise Vorstellung von ihnen. Obwohl ich sie nicht sehen konnte – und nie jemand offen von ihnen ge-sprochen hat.

Gut, es gab einige Großmenschen, die mir Hinweise darauf lieferten. Oma und Opa haben manchmal von ihnen geredet. Die beiden wussten ganz bestimmt, dass es sie gibt. Aber sie haben sie nie beim Namen genannt. Sie haben ihr Wissen um die Existenz der Gutlinge stets in Sprichwörter verpackt.

Omas Hinweise waren recht unpräzise. Sie sagte immer: „Wie man in der Wald hinein ruft, so schallt es zurück.“

Opa dagegen, der brachte es auf den Punkt. Obwohl er nur ganz selten über Gutlinge redete. Eigentlich nur dann, wenn er sie vermisste.
Wenn er einem Menschen begegnete, der nicht einen einzigen Gutling verteilen konnte, weil er keine zum Verteilen hatte. Wenn der gutlingsfreie Mensch dann gar noch mit Widerlingen um sich geworfen hatte, bevor er ihm aus den Augen verschwand, dann sagte Opa meinen Lieblingssatz. Seine fast-unanständige Gutlingsweisheit. Ganz leise und unflätig. Mit so einem pietätisch-bedauernden Tonfall, wie man über sehr kranke Menschen spricht:

„Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“, sagte er dann.

Den Satz hab ich auch als kleiner Bub schon ganz gut verstanden. Wenn man weiß was Gutlinge sind, dann versteht man nämlich schon eine ganze Menge.

 

 

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